Sexting Part II

Sexting und seine Gefahren

In Teil 1 des Sexting-Blog-Beitrags haben wir bereits darüber informiert, was Sexting ist, wer es betreibt und warum. In diesem Beitrag geht es um die Gefahren, die Sexting mit sich bringen kann. Wir wollen hier nicht mit dem erhobenen Zeigefinger kommen, sondern zu Reflexion anregen, bevor das eigene Nacktbild unwiderruflich seinen Weg durch die Weiten den Internets nimmt.

Ich erinnere mich noch an eine Situation mit vierzehn oder fünfzehn Jahren. Damals hatte ein Schulkamerad von mir schon einen guten Draht zum anderen Geschlecht, was einigen anderen (mir zum Beispiel) wie Zauberei vorkam. 2003 war die Zeit von ICQ Pro und klappbarer Fotohandys. Ein verliebtes Mädchen schickte besagtem Bekannten einige Nacktbilder von sich und ehe ich mich versah machte es „AO“ und per ICQ kam die Nachricht „Kuck dir das mal an!“ Kurz darauf hatte ich die Fotos ebenfalls auf dem Computer. Und nicht nur ich, auch drei oder vier andere Freunde. Soweit ich weiß sind diese Fotos nie im öffentlichen Internet gelandet und auch sonst haben wir die Weiterleitung alle für uns behalten und die Fotos wieder gelöscht als uns das schlechte Gewissen packte. Aber andernfalls hätte die Sache auch böse für das Mädchen ausgehen können. (anonym)

Obwohl vor über zehn Jahren das Bewusstsein für das unfehlbare Gedächtnis des Internets nicht so hoch war wie heutzutage, sind wir umgekehrt nicht weniger abgeneigt, intime Bilder zu versenden. Im Gegenteil: Mittlerweile geben Seiten sogar Tipps, wie man beim Sexting besser aussieht und was die absoluten No-Gos sind. So empfiehlt eine ehemalige Sexarbeiterin „How to sext like a pro“, looklive gibt „Sexting Rules“ für das erfolgreiche Versenden von Nacktbildern und das schweizerische friday-magazine hat ganze „10 Tipps für besseres Sexting“. Sexting scheint salonfähig zu sein. Natürlich nur, wenn man sich 100% vertraut. Allerdings sind 100% verdammt viel. Vor allem wenn es sich tatsächlich nur um flüchtige Bekanntschaften oder frische Beziehungen handelt. Um diese 100% Vertrauen zu erhalten bedarf es eben einer langen Partnerschaft, die vor allem Jugendliche seltener erreichen als Erwachsene [1, 2].

Sextortion

Wieder mal ein Kofferwort, bestehend aus den Wörtern Sex und Extortion (dt.: Erpressung). Dieser Begriff wird häufig verwendet, um eine Masche zu beschreiben, bei der Erpresser mit attraktiven Fake-Profilen Kontakt zu potentiellen Opfern aufnehmen, mit ihnen flirten und so schließlich an Nacktbilder oder Videos gelangen wollen. Dieses Bildmaterial wird dann gegen die Opfer verwendet. Es wird damit gedroht, die pikanten Fotos oder Videos ins Internet zu stellen, sofern nicht eine Zahlung geleistet wird. Durch diese Form der Erpressung gelangen Internetkriminelle an hunderte oder auch mehrere tausend Euros (Ratgeber Internetkriminalität, Polizei Niedersachsen). So ist es auch dem Schweizer Arne Völker passiert, der bereits 250 Franken bezahlte, bevor er die Flucht nach vorne antrat und sich so aus der Erpresserfalle befreien konnte.

Doch häufig wird nicht nur Geld mithilfe von Sexts erpresst. Ein erotisches Foto wird oft als Druckmittel verwendet, um mehr und noch expliziteres Material zu erhalten. Dies ist vor allem bei Cyber-Groomern eine beliebte Masche. Gerade bei Kindern funktioniert diese Form der Erpressung vermutlich noch besser, denn es erfordert ein hohes Maß an Mut und Rationalität, um so zu handeln wie es der 48-jährige Herr Völker getan hat. In einem anderen Fall gelang es dem 38-jährigen Niederländer Aydin C. innerhalb von sechs Jahren dutzende minderjährige Mädchen zu erpressen. Eines der Mädchen, die 15-jährige Amanda Todd aus Kanada, trieb er mit der Veröffentlichung ihrer Nacktbilder, nachdem sie sich weigerte weitere zu versenden, in den Selbstmord.

Verbreitung ist strafbar

Auch ohne die Veröffentlichung oder Erpressung mit den privaten Bildern ist die bloße Weitergabe eines nur für die eigenen Augen bestimmten Fotos nicht nur ein Vertrauensbruch sondern auch noch strafbar. Wer pornografisches Material einer anderen Person weiterleitet verletzt das Recht am eigenen Bild und den höchstpersönlichen Lebensbereich (§ 201a StGB). Hier ist mit einer Geldstrafe oder bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe zu rechnen (dejure). Deutlich schlimmer sieht es aus, wenn Sexting.-Bilder von Personen verschickt werden, die unter 18 oder gar unter 14 Jahren sind. Bei 14-18-jährigen handelt es sich laut § 184c StGB um die Verbreitung jugendpornografischer Schriften und wird mit Freiheitsentzug von bis zu 3 Jahren bestraft. Hier steht auch der Besitz unter Strafe. Das bedeutet, wenn jemand ein pornografisches Bild einer minderjährigen Person an dich schickt, musst du es unverzüglich der Polizei melden und daraufhin löschen. Nacktbilder von unter 14-jährigen sind kinderpornografisches Material und fallen unter § 184b StGB. Wer solches Material besitzt, weiterleitet oder herstellt macht sich strafbar und hat mit einer Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren zu rechnen. Achtung: Auch in einer Konstellation in welcher der Sexting-Empfänger zum Beispiel 15 Jahre und der Sender 13 Jahre alt ist, macht sich der ältere Sexting-Partner strafbar.

Trotzdem sexten wir

Wie kommt es dazu, dass wir entgegen eines mehr oder minder ausgeprägten Schamgefühls, alles von uns preisgeben? Natürlich ist Sexting eine neue Spielart, ausgelöst durch die Möglichkeiten des Internets und der Handykameras. Daran ist auch nichts Verwerfliches. Aber woher kommt auch bei Erwachsenen diese unbedarfte Naivität? Einen möglichen Erklärungsansatz sehe ich in der Schnelligkeit mit der wir Beziehungen und Freundschaften knüpfen. Wir leben in einer Welt der raschen Kommunikation und Verfügbarkeit. Nicht nur sind wir jederzeit verfügbar, es ist auch alles andere jederzeit verfügbar. Du brauchst eine neue Uhr, ein neues Buch, ein Date? Alles innerhalb weniger Minuten mit dem Smartphone zu organisieren. Oft fehlt die Geduld sich intensiv mit jemandem zu beschäftigen. Wir lernen Freunde nicht kennen und wägen ab, ob wir sie mögen, sondern fügen sie als Freunde unserem Sozialen Netzwerk hinzu, lassen sie fortan teilhaben an unserem Leben. Genauso schnell suchen wir uns neue Partner. Besonders bei Dating-Apps kommt dies offen zum Vorschein. Hat dein Gegenüber keine Lust zu flirten, geht nicht auf sexuelle Anspielungen ein? Weg! Der nächste potentielle Kandidat ist nur einen Swipe entfernt. Umgekehrt funktioniert das Spiel genauso. Ich muss etwas anbieten, wenn ich konkurrenzfähig bleiben will in der schnellen Dating-Welt.

Und die Moral von der Geschicht…

Hier ein paar Fragen, die du dir stellen solltest, falls du darüber nachdenkst, jemandem ein erotisches Bild zu schicken:

  1. Bist du sicher, dass derjenige (auch nach einer Trennung) niemandem die Fotos oder Videos zeigt?
  2. Ist seine Integrität abhängig von der Art und Weise, ob und wie die Beziehung zwischen euch zu Ende geht?
  3. Möchtest du in einigen Jahren, dass diese Person noch intime Fotos von dir besitzt?

Sofern dir nicht egal ist, wie viele Menschen dein Nacktbild sehen, es anhand des Bildes Rückschlüsse auf deine Identität gibt und diese Fragen nicht alle mit „ja“ beantworten kann, solltest du vielleicht vom Versenden des Bildes absehen. Bist du noch minderjährig, solltest du vor allem bei erwachsenen Personen davon absehen, Sexts zu verschicken, da sie sich mit dem Besitz strafbar machen. Informiere dich über das Thema und überlege dir wie Sexting für dich nach hinten losgehen könnte, bevor du eine Entscheidung triffst.

[1] Seiffge-Krenke, I. (2003). Testing theories of romantic development from adolescence to young adulthood: Evidence of a developmental sequence. International Journal of Behavioral Development27(6), 519-531.

[2] Carver, K., Joyner, K., & Udry, J. R. (2003). National estimates of adolescent romantic relationships. In: Florsheim, P. (Ed.): Adolescent romantic relations and sexual behavior: Theory, research, and practical implications. Mahwah, NJ: Lawrence Erlbaum Associates Publishers, S. 23–56.

Featured image: Robert Hoeting (Shutterstock).

By | 2017-07-23T18:07:11+00:00 Mai 29th, 2017|Latest Articles|0 Comments

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Der gebürtige Ratinger und Wahlduisburger ist der kreative Kopf hinter dem Marketing von Privalino und das betriebswirtschaftliche Rückgrat der Firma. Er sammelt schneller Meinungen als Lucky Luke seine Pistole zieht. Ob in der Hotellobby, am Messestand oder Netz: Patrick ist immer on fire für Privalino.

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