Minecraft – Gefahr für mein Kind?

Online-Spiele als Ankerpunkt für Cyber-Grooming

Wenn ich über Orte nachdenke, an denen für Kinder Gefahr durch Cyber-Grooming besteht, denke ich sofort an Chatplattformen. Doch auch Online-Spiele, die vermehrt von Kindern genutzt werden, werden von Cyber-Groomern genutzt, um Kontakt zu Kindern aufzubauen. Vor fast einem Jahr wurde der Fall des 12-jährigen Paul bekannt, der über das Spiel Minecraft in Kontakt mit seinem späteren Entführer kam, von ihm in seine Wohnung nach Düsseldorf eingeladen und dann tagelang missbraucht wurde.

Minecraft fördert kreatives Denken

Minecraft ist ein bei Kindern sehr beliebtes Spiel. Es wurde im Jahr 2009 vom schwedischen Unternehmen Mojang entwickelt. Der Spieler kann sich frei bewegen und selbst entscheiden, was er als nächstes tut. Es gibt keine Aufgaben, Quests oder vorgeschriebenen Handlungen. Ob man als nächstes ein Märchenschloss, ein Schiff, ein Baumhaus oder ein Tunnel-Labyrinth baut oder sogar ein reales Gebäude wie den Eiffelturm detailgetreu nachbaut: Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Dadurch fördert Minecraft neben Kreativität auch die Fähigkeit sich ein Projekt zu planen, es in die Tat umzusetzen und bei auftretenden Problemen (z.B. fehlenden Materialien) Lösungswege zu ersinnen.

Wie könnten Cyber-Groomer zu meinem Kind Kontakt aufnehmen?

Im Online-Modus gibt es die Möglichkeit mit anderen Nutzern zusammen Welten zu erkunden und zu erbauen. Meistens unterhalten sich die Nutzer dabei über Headsets oder im integrierten Chat. Cyber-Groomer gehen dabei so vor, dass sie über einen langen Zeitraum das Vertrauen und die Freundschaft des Kindes gewinnen und danach erst zuschlagen. Im Fall des 12-jährigen Paul hat sein Entführer das Vertrauen des Jungen gewinnen können, indem er ihm einige Vergünstigungen ermöglicht hat. Es wird spekuliert, dass er dem Jungen unter anderem sogenannte Skin-Pakete gekauft hat, die das Aussehen der Spielfigur verändern.  Diese Pakete kosten nur etwa 5 Euro. Die Tat war lange geplant, der 35-jährige hat mit viel Mühe ein freundschaftliches, vertrautes Verhältnis zu Paul aufgebaut. Und darin lauert auch die Gefahr. Paul sah den Täter als Freund an, erzählte ihm persönliche, private Dinge und vertraute ihm.

Es ist leicht eine sehr persönliche Beziehung aufzubauen, denn es macht Kindern extrem viel Spaß, egal mit wem sie spielen.

In einem Interview mit einem 17-jährigen, der seit seinem zwölften Lebensjahr das Spiel sowohl am Computer, als auch an der Konsole regelmäßig spielt, befragte ich ihn über seine Erfahrungen mit sexuellen oder freundschaftlichen Anbahnungsversuchen im Spiel Minecraft.
„Unangebrachte Anfragen habe ich bis jetzt nicht erlebt“, sagte der Schüler. Das läge aber auch daran, dass er online nur auf Servern mit seinen Freunden spielt. „Je nach Einstellung können auch Freunde von Freunden rein“, aber auch die waren nicht auffällig. Mit fremden Spielern könne man leicht in Kontakt kommen. Zum Beispiel über so genannte Communities auf der Playstation oder über Clubs auf der Xbox in denen Minecraft thematisiert wird. In diesen Gruppen treffen sich spielbegeisterte Minecraft-Fans, die andere Spieler in einem öffentlichen Chat zum gemeinsamen spielen suchen. Auf diese Weise kann es natürlich passieren, dass ein Kind mit einem Cyber-Groomer in Kontakt kommt. Auffällig an diesen Gruppen ist, dass dort keine einzige anzügliche, doppeldeutige oder perverse Nachricht zu finden ist, wie sie in Chat-Messengern mit öffentlichen Chats in Masse aufzufinden sind. Das spricht dafür, dass Cyber-Groomer, die über Minecraft Kontakt zu ihren Opfern aufbauen, vorsichtig vorgehen müssen, da die Community dieses Verhalten nicht duldet. Auf meine Frage, ob mein Interviewpartner sich vorstellen könne, dass sexueller Missbrauch über Minecraft angebahnt werden könne, antwortete er: „Es ist leicht eine sehr persönliche Beziehung aufzubauen, denn es macht den Kindern extrem viel Spaß, egal mit wem sie spielen“.

Sollte ich meinem Kind das Spielen von Minecraft verbieten?

Minecraft kann man nicht grundsätzlich als gefährliches Spiel einstufen. Neben dem Online-Modus enthält es den Offline-Modus, in dem die Nutzer für sich alleine eine Menge Spielspaß erleben können und der keine Gefahren birgt. Der Online-Modus bietet lediglich die Möglichkeit mit anderen Nutzern zusammen eine Welt zu erbauen. Wenn Sie Ihrem Kind das Zusammenspielen im Online-Modus nur mit realen Freunden erlauben, kann es trotzdem vorkommen, dass diese weitere Nutzer in die Welt mitbringen. Reden Sie daher mit Ihrem Kind über neue Freunde, die sie über das Internet kennenlernen. Sie können viele Regeln zum Verhalten im Chat, in einem anderen Beitrag nachlesen. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über die Richtlinien der Chatiquette, von anderen Kindern im Alter von 8 bis 10 Jahren in Zusammenarbeit mit Privalino aufgestellt wurden. Lassen Sie sich das Spiel von Ihrem Kind erklären und lassen Sie sich auch die Freunde in den virtuellen Welten vorstellen. Verringern Sie die Gefahr für Ihr Kind dadurch, dass Sie Ihr Kind auf Indikatoren und Gefahren aufmerksam machen und Sie selbst durch Gespräche mit Ihrem Kind Indikatoren für Cyber-Grooming entdecken.

 

Bildquelle: ffstudios

By | 2017-11-20T15:17:57+00:00 September 27th, 2017|Latest Articles|0 Comments

About the Author:

Emma ist 23 Jahre alt und macht gerade ihren Bachelor in Business Administration an der Hochschule Düsseldorf. Durch ihre Arbeit als Werkstudentin hilft sie dabei das Vertriebsnetz aufzubauen, um damit das B2B-Geschäft zu unterstützen. Sie ist überdies passionierte Blog-Autorin mit einem Hang zu investigativer Recherche.

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