Argumente gegen Privalino

Geschrieben von patrick am 05.02.2018

Wenn man eine Kinderschutz-Software entwickelt, hat man mit sehr viel mehr Gegenwind zu rechnen, als man vermuten würde. Schließlich ist Kinder- und Jugendschutz doch eine feine Sache, die jeder unterstützen sollte. Dennoch gibt es viele Vorwürfe und Einwände mit denen wir uns in diesem Blog-Beitrag auseinandersetzen möchten. Einige Kritiker sind selbst im Bereich Kinderschutz aktiv und haben schon viele Startups gesehen, die ihre Versprechen nicht eingelöst haben. Wir möchten an dem Feedback wachsen und arbeiten hart daran, unsere Versprechen einzulösen.

Privalino greift in die Privatsphäre der Kinder ein!

Man sollte kein Argument mit den Worten “Ja, aber…” beginnen. Doch irgendwie können wir in diesem Fall nicht anders. Denn natürlich ist es ein Eingriff in die Privatsphäre, wenn eine künstliche Intelligenz alles mitliest, was ein Kind schreibt. Man stelle sich vor, so etwas würde auch für Erwachsene existieren und nicht bloß für Grundschulkinder. Im schlimmsten Fall würde diese Intelligenz nicht nur die schriftliche Korrespondenz aufzeichnen, sondern auch das gesprochene Wort. Unvorstellbar!

Alexa, bestell mir eine Pizza!

Wir geben große Teile unserer eigenen Privatsphäre bereitwillig auf, weil wir zu bequem sind, um mit den Händen unsere Lieblingsmusik auszuwählen. Der omnipräsenten Datenkrake Facebook vertrauen wir unsere intimsten Geheimnisse an und finden es okay, dass der Konzern bares Geld mit dem Verkauf dieser Daten verdient. Tagtäglich wird unser Online-Verhalten gemessen, analysiert und gespeichert. Alles nur, damit wir noch besser zu uns passende Werbung erhalten können. Privalino bietet die Möglichkeit, endlich einmal einen wirklichen Nutzen aus den analysierten Daten zu ziehen. Einen gesellschaftlichen Nutzen, keinen kommerziellen.

Privalino ist ein Instrument zur Überwachung

Wir stehen dazu, dass unsere Moderatoren bei Verdachtsfällen auch die Unterhaltung analysieren, um Gefahren abzuwehren. Diese Funktion kann durch Eltern deaktiviert werden, sobald sie der Ansicht sind, dass ihre Kinder alleine zurecht kommen. Bis dahin leiten wir die letzten paar Nachrichten einer alarmierenden Kommunikation an die Eltern weiter. Vergessen wir nicht, dass Privalinos Kernnutzer zwischen sieben und zehn Jahre alt sind. Viele Eltern mit Kindern in diesem Alter kontrollieren in regelmäßigen Abständen deren Smartphones. Es ist eine Form der Fürsorge und des Aufpassens. Die Eltern überprüfen die Hausaufgaben, erfahren vom Arzt, welche Krankheiten die Kinder haben und lassen sich vom Nachbarn gerne darüber informieren, wenn der Nachwuchs ein parkendes Auto mit dem Fußball zerdeppert hat. Privalino gibt den Eltern eine Möglichkeit, ihre Kindern beim Einstieg in die digitale Welt noch eine Weile zu begleiten und das Aufpassen zu erleichtern.

Dabei wollen wir die Eltern keinesfalls aus der Verantwortung entlassen, wir wollen sie dabei unterstützen, ihre Verantwortung wahrnehmen zu können. Es ist weiterhin wichtig, Kinder im Umgang mit Medien zu erziehen und über das Erlebte zu sprechen. Privalino ist als Ergänzung und zusätzliche Sicherheitsmaßnahme im Kampf gegen Cybergrooming, Cyber-Mobbing und Sextortion gedacht. Wir sind davon überzeugt, dass ein guter Umgang mit Medien sowie die Kontrolle der Eltern die halbe Miete sind. Aber eben nur die halbe. Denn egal wie oft ich einem Kind sage: “Setz deinen Fahrradhelm auf, sonst könntest du dich böse verletzen!” An der nächsten Ecke zieht es den Helm vom Kopf und fährt ohne weiter. Kinder sind von Natur aus naiv, einige sind beratungsresistent oder schätzen eine Gefahr falsch ein. Daher geben wir mit Privalino ein Werkzeug in die Hand, mit dem Eltern Gefahren erkennen können, bevor es zu spät ist. Dies ist noch kein Grund, sich in Sicherheit zu wiegen, aber eine Alternative zu WhatsApp und allabendlichen Smartphone-Kontrollen.

Privalino schlägt Kapital aus der Angst der Eltern

Ein oft gehörter Vorwurf betrifft die Wirtschaftlichkeitsabsicht hinter Privalino. Unsere App ist kostenlos und bleibt kostenlos. Alle Kinder, die Privalino nutzen, werden von unserer Seite aus gleichermaßen geschützt. Wir arbeiten noch an einem Geschäftsmodell, das es uns erlaubt, die App zu finanzieren, ohne unsere Prinzipien zu verletzen.

Warum ist die Software nicht umsonst?

Komischerweise käme wohl niemand auf die Idee, diese Frage einem Hersteller von Kinderfahrradhelmen zu stellen… Die einfache Antwort muss wohl lauten: “Weil wir die Software nicht ohne Unkosten entwickeln, bereitstellen und warten können.” Gute Software-Entwickler arbeiten leider nicht für umsonst und auch wir als Gründer müssen von etwas leben. Andere haben sich schon an kostenfreien, kindersicheren Chat-Seiten versucht, doch nur mit mäßigem Erfolg: freiwillige Moderatoren haben nur wenig Zeit und können sich nur um eine Handvoll Kinder zugleich kümmern. So wurden diese Chats nur zwei- oder dreimal zu bestimmten Zeiten in der Woche geöffnet. Das hängt sicherlich stark mit den Kosten zusammen, die eine dauerhafte Beschäftigung von ausreichend Moderatoren erfordert hätte. Durch die Einbindung einer künstlichen Intelligenz können wir enorme Datenmengen im Vorfeld verarbeiten und so aufbereiten, dass sich ein Moderator leicht um mehrere hundert Kinder zugleich kümmern kann.

Da wir anders als Snapchat, WhatsApp oder Facebook weder Daten noch Metadaten für Werbezwecke an Dritte weitergeben und eigene Werbung für Kinder zu schalten für unethisch halten, sind unsere Einnahmequellen begrenzt.

Privalino ist Zensur

Seit wenigen Wochen ist das Netzwerkdurchsetzungs-Gesetz (NetzDG) in Kraft getreten. Konkret soll das Gesetz dafür sorgen, dass weniger Hetze und Fake News auf sozialen Netzwerken verbreitet werden können. Wird ein Kommentar gemeldet, so hat der Betreiber dies unverzüglich zu prüfen und bei Gesetzesverstößen 24 Stunden Zeit, den Kommentar zu löschen. Natürlich wurden die Gegenstimmen zum NetzDG laut. Es handele sich um Zensur und eine Privatisierung der Exekutivgewalt und nicht zuletzt einen Angriff auf die Meinungsfreiheit und Demokratie. Bei der ganzen Kritik wissen viele nicht, dass Facebook schon seit Jahren hunderte von Content Moderators damit beschäftigt, damit gewaltverherrlichende, rassistische oder pornografische Inhalte nicht auf den Netzhäuten der Nutzerschaft auftreten.

Der Widerstand gegen das NetzDG ist sicher in Teilen berechtigt. In politischen Diskussionen vor allem mit radikalen Parteien ist der Grat zwischen Meinung und Straftat oft hauchdünn. Da bedarf es schon eher dem Urteil eines erfahrenen Richters als eines Content Moderators mit Deutsch als Drittsprache. In anderen Bereichen wäre eine stärkere Verantwortung der Plattformbetreiber durchaus sinnvoll. Wie kann es sein, dass hunderte sexuell aufgeladene Kommentare unter Videos planschender Kinder gepostet werden und es erst zum Eklat kommt, als Adidas und die Deutsche Bank androhen, künftig keine Werbeplätze auf Facebook kaufen zu wollen? Übrigens sind Messenger-Dienste wie WhatsApp und Privalino vom NetzDG ausgenommen. Dennoch sehen wir es in unserer Verantwortung, Straftaten zu verhindern und notfalls auch bei der Polizei zu melden. Die Polizei selbst ist noch nicht spürbar im Netz angekommen und somit gibt es niemand anderen als die Betreiber der Plattformen, der sich um die Durchsetzung des bestehenden Gesetzes bemühen kann.

Das Team von Privalino verbessert die App rund um die Uhr. Doch wir brauchen die Hilfe der Eltern, Lehrer, Jugendschützer, Polizei und nicht zuletzt unserer Nutzer, der Kinder. Falls ihr Kritik oder Fragen habt, kontaktiert uns gerne per Mail oder Facebook. Achtet nur drauf, dass ihr nicht Opfer des NetzDG werdet ;-)

Patrick Schneider

Der gebürtige Ratinger und Wahlduisburger ist der kreative Kopf hinter dem Marketing von Privalino und das betriebswirtschaftliche Rückgrat der Firma. Er sammelt schneller Meinungen als Lucky Luke seine Pistole zieht. Ob in der Hotellobby, am Messestand oder Netz: Patrick ist immer on fire für Privalino.