Was geht ab bei Kwick!?

Und, wie habt ihr euch kennengelernt?

Disclaimer: Der folgende Beitrag stellt meine persönliche Meinung dar.

Es ist zwar noch etwas seltsam, aber durchaus keine Seltenheit und schon lange keine Peinlichkeit mehr, seinen Partner über eine Dating-Website kennengelernt zu haben. Für Millionen Deutsche ist es das Normalste auf der Welt, sich durch Scharen von potentiellen Flirt-, Date- und möglicherweise sogar Lebenspartnern zu swipen. Daher lautet die Antwort auf die Frage nach dem ersten Kennenlernen immer häufiger “Hmm… bei Online-Dating”, gefolgt von einem schiefen Lächeln. Falls die Gefragten erst 12 Jahre alt sind, könnte die Antwort auch lauten: “Na, bei Kwick!” Anders als die meisten anderen Dating-Seiten, die ab 18 Jahren (Tinder, Elitepartner) oder wenigstens ab 16 Jahren (Lovoo) sind, ist Kwick! ein Chat-Portal, das es auch 12-Jährigen möglich macht, aktiv nach einem passenden Partner zu suchen und private Nachrichten mit ihm oder ihr auszutauschen. Wir haben uns bei Kwick! angemeldet und wollten herausfinden, was hinter dem Dating-Portal für Kinder steckt.

Wie sicher ist Kwick!?

 Laut eigenen Angaben ist die 1999 gegründete Online-Community eine der größten in Deutschland, in der man über 1,5 Millionen neue Leute kennenlernen und anonym anschreiben kann. Auf der Homepage wird die Seite mit Aussagen wie: “Texte mit interessanten Leute, finde neue Freunde oder vielleicht auch die große Liebe” und “Bei Kwick! findest du tolle Menschen zum chatten, flirten und gemeinsam lachen” beworben. So weit ist das alles recht harmlos und hat den Anschein einer Online-Community der 2000er Jahre. Allerdings ist die Seite bereits für Kinder ab 12 Jahren nutzbar und die Altersbeschränkung ist bereits mit zwei Klicks ausgehebelt.

Es gibt viele Möglichkeiten, um einen Chat sicherer für Kinder zu gestalten, die wir in den nächsten Blog-Beiträgen vorstellen werden. Einige Anbieter von Chats sichern sich zunächst selbst ab, indem sie eine Altersfreigabe ab 18, 16 oder wenigstens 14 Jahren festsetzen. Das Alter wird also bei der Registrierung per Selbstauskunft überprüft. So versuchen sich Anbieter rechtlich aus der Verantwortung zu ziehen, da sie ja ausdrücklich darauf hingewiesen haben, dass ihr Chat nicht für Kinder geeignet sei. Auch wenn diese Altersbeschränkung sehr leicht zu umgehen ist, so ist sie doch besser als eine zu niedrig angesetzte. Denn so gibt man den Kindern zu verstehen, dass die Seite nicht für sie geeignet ist. Ob sich die Kinder daran halten, ist eine andere Frage…

Der Registrierungsprozess bei Kwick! läuft unkompliziert ab: Man gibt Pseudonym, Geburtsdatum, Geschlecht, Wohnort sowie eine Email-Adresse ein und schon kann man loslegen. Die Suche nach Chat- und Flirtpartnern ist je nach im Profil hinterlegten Alter beschränkt. Folgende Nutzergruppen bleiben unter sich:

  • 12 bis einschließlich 14 Jahre
  • 15 bis einschließlich 19 Jahre
  • 18 bis 99 Jahre

Kwick! folgt mit seinen Beschränkungen fast den Schutzaltersgrenzen, aber nicht ganz. Ein 14-Jähriger dürfte laut Strafgesetzbuch keinen sexuellen Kontakt mit einer 13-Jährigen haben. Hier müssten die Betreiber nachbessern, um formal den gesetzlichen Rahmenbedingungen zu folgen. Weiterhin ist es über 14-Jährigen Nutzern möglich, in den Privatsphäreeinstellungen das Alter der Nutzer auszuweiten, die sie anschreiben können. Also im Grunde besteht lediglich für die 12-14-Jährigen eine Art Schutzraum. Der eingebaute Sicherheitsmechanismus ist an sich gut gedacht, wird aber angesichts des Registrierungsprozesses keinen Cyber-Groomer abhalten. Man muss Kwick! zugutehalten, dass es den Nutzern alle Möglichkeiten gibt, um unerwünschte oder unflätige Kontakte zu sperren und zu melden. Durch die Privatsphäreeinstellungen kann man überdies beschränken, ob man durch Flirtsuchen gefunden werden kann oder nicht. An dieser Stelle hinken einige andere Betreiber hinterher.

Was geht ab bei Kwick!?

Zunächst haben wir uns als 12-Jähriges Mädchen eingeloggt und ein paar Angaben zu unserer Person gemacht.

  • Familienstand: Opereit (=Wortneuschöpfung von Kwick! und bedeutet so viel wie “offen” und “bereit” oder “zu fast alles Schandtaten bereit”) 
  • Kinder: Nein
  • Nationalität: Deutsch
  • Sprache: Deutsch
  • Bildung: (Noch) keinen Abschluss
  • Tätigkeit: Schüler
  • Raucher: Nur nach dem Sex!

Nachdem wir unser Kinderprofil ausgefüllt haben, sehen wir uns auf der Website etwas genauer um. Wie bereits oben erwähnt, ist es für Kinder möglich, Singles bis 99 Jahre zu suchen, aber nur mit 12-14-Jährigen in Kontakt zu treten. Da auch wir nicht sicher sein können, welche Profile fake und welche echt sind, scrollen wir einfach auf der Startseite durch die Profilbilder der Nutzer. Tatsächlich ist abgesehen vom Altersdurchschnitt der Unterschied zu Dating-Seiten wie Lovoo nicht besonders groß: Auch hier posen Mädchen mit Duck-Face und einige Jungs zeigen ihren nackten Oberkörper vor. Viele haben ihre Profilbilder mit kleinen Hundeohren oder Blumen aufgehübscht. Dazwischen allerdings auch Bilder von Erwachsenen Männern mit Vollbart, Sixpack, Falten. Aber warum steht im Profil ein Alter von 12 oder 13 Jahren? Ich habe bislang nicht viele 13-Jährige mit Hipstervollbart und dem Muskeltonus von Channing Tatum gesehen. Offenbar filtert der Betreiber seine Mitglieder nicht gründlich genug aus, noch werden offensichtliche Fake-Profile gemeldet. So auch nicht das bereits seit 6 Jahren bestehende Profil von VORNAME_83. Obwohl der laut Profil, 13-Jährige, dem Namen nach 34-Jährige, dem Profilbild zufolge eher 44-Jährige, ganz offen nach einer jungen Frau für TG sucht.

Hä, TG?

TG meint Taschengeld. Es wird ein Taschengeld für sexuelle Leistungen erboten. Dabei handelt es sich um nichts anderes als Prostitution. Das Wort Taschengeld wird häufig im nicht-professionellen Bereich verwendet und versteht sich als Aufwandsentschädigung in einem geringen finanziellen Rahmen. Prostitution ist bei unter 18-Jährigen verboten. Daher sind auch Portale wie Lovoo, die ab 16 Jahren aufwärts zugänglich sind, bedenklich, da zwar Sex und Flirten in dem Alter erlaubt ist, Prostitution aber nicht. Und die Angebote zu bezahltem Sex sind bei Lovoo häufig. Wie wir im Selbstversuch feststellen konnte, bekommt eine junge Frau unter 18 Jahren auf Datingseiten Dutzende Angebote zu Sex gegen TG oder Shopping, zumeist von älteren Herren. Neben den üblichen Versuchen des Kanalwechsels und Aufforderung zum Sexting, haben wir auch bei Kwick! derartige Taschengeld-Angebote erhalten.

Fazit

Dating-Plattformen und Community-Plattformen mit Flirtfunktionen sind eine schöne Sache, um neue Leute kennenzulernen und zu flirten. Auch oder vor allem Kinder zwischen 12 und 14 Jahren haben eine natürliche Neugier am Flirten und sexueller Kommunikation. Allerdings sollte diese innerhalb der gleichen Alterskohorte stattfinden und nicht mit Erwachsenen, die sich als Kinder ausgeben. Es ist schon gefährlich genug, wenn Chat-Seiten oder Flirt-Portale mit einer Altersfreigabe ab 16 oder 18 Jahren keinerlei Maßnahmen ergreifen, um sicherzustellen, dass keine Kinder unter falschen Angaben auf der Seite unterwegs sind. Geradezu fahrlässig ist es hingegen, eine Community mit eindeutigem Flirt-Charakter für Kinder zu öffnen, wenn man in der Konsequenz den Registrierungsprozess nicht resistenter gegen Falschangaben von Erwachsenen macht. So stellt der Chat eine Einladung für Cyber-Groomer dar, die explizit auf der Suche nach jungen Chat-Partnern sind und sie auf Angeboten wie Kwick! ganz einfach finden können. Wenn man also schon eine Plattform für Jugendliche oder Kinder bereitstellen möchte, die zum Flirten gedacht ist, dann sollte absolut sichergestellt werden, dass die Nutzer unter sich bleiben. Möglichkeiten, wie man einen Chat für Kinder sichern kann, besprechen wir in den nächsten Blog-Beiträgen.

Featured image: 422737 (Pixabay).

By | 2017-06-27T15:09:27+00:00 Juni 16th, 2017|Latest Articles|0 Comments

About the Author:

Der gebürtige Ratinger und Wahlduisburger ist der kreative Kopf hinter dem Marketing von Privalino und das betriebswirtschaftliche Rückgrat der Firma. Er sammelt schneller Meinungen als Lucky Luke seine Pistole zieht. Ob in der Hotellobby, am Messestand oder Netz: Patrick ist immer on fire für Privalino.

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